Mit FYTA startet auf OneCrowd ein Unternehmen, das Pflanzenpflege neu denkt: Statt auf Bauchgefühl setzt das Berliner Team auf intelligente Sensorik und datenbasierte Analysen, um sichtbar zu machen, was Pflanzen wirklich brauchen, bevor Probleme überhaupt erkennbar werden. Damit positioniert sich FYTA zwischen klassischer Pflanzenpflege und professioneller Sensorik und adressiert einen wachsenden Markt für datenbasierte Pflanzen- und Bodengesundheit.
Im Interview sprechen wir mit Claudia Nassif, CEO und Gründerin, über die Entstehung von FYTA, die Technologie hinter dem Produkt und die nächsten Wachstumsschritte.
OneCrowd: Hallo Claudia, FYTA wird häufig als eine Art „Fitnesstracker für Pflanzen“ beschrieben. Was genau steckt hinter diesem Vergleich und welches Problem habt ihr beobachtet, das euch zur Gründung motiviert hat?
Claudia Nassif: Ich habe mich immer an der Idee des „grünen Daumens“ gestört, also dieser scheinbar angeborenen, intuitiven Fähigkeit, Pflanzen zu verstehen, eben weil ich selbst nie einen hatte. Dabei gibt es ihn gar nicht. In der Realität ist erfolgreiches Gärtnern das Ergebnis von Wissen und Erfahrung. Pflanzen gedeihen, wenn ihre individuellen Bedürfnisse an z.B. Licht, Wasser, Temperatur und Nährstoffe erfüllt werden. Aber genau das, dass Pflanzen genau wie wir Menschen individuelle Lebewesen sind, wird viel zu selten vermittelt. Pflanze ist nicht gleich Pflanze. Nicht nur verschiedene Arten haben unterschiedliche Bedürfnisse, auch ein und dieselbe Pflanze hat je nach Alter, Standort und Wachstumsphase ganz andere Ansprüche. Im Grunde ist das wie bei uns Menschen. So entstand die Idee, einen Sensor zu entwickeln, der ähnlich wie ein Fitnesstracker nicht nur ein oder zwei Dimensionen misst und statisch analysiert, sondern die Pflanze als ein Individuum, das sich in einem ständigen Wandel befindet, betrachtet. Der Vergleich passt, weil es bei beiden um dasselbe geht: kontinuierlich messen, Zusammenhänge verstehen und früh erkennen, was fehlt, bevor ein Problem entsteht.
OneCrowd: Aktuell nutzen sowohl Hobbygärtnerin und -gärtner als auch professionelle Anwender eure Lösungen. Wo seht ihr in den kommenden Jahren das größte Potenzial?
Claudia Nassif: Wir sehen in beiden Segmenten großes Potenzial. Gärtnern gehört zu den beliebtesten Hobbys weltweit, und smartes Gärtnern stößt auf immer mehr Interesse. Gerade im Außenbereich wird es durch den Klimawandel zunehmend schwieriger, Pflanzen gesund zu halten. In den USA, zum Beispiel, ist die Rasenbewässerung wegen der Wasserknappheit ein riesiges Thema. Genau hier helfen unsere Lösungen: Wir zeigen Hobbygärtner:innen, was in ihrem Garten unter den gegebenen Bedingungen besonders gut wächst, und sparen beim Rasenmanagement Wasser und Dünger.
Auch im B2B-Bereich ist das Potenzial enorm, weil die Segmente, an die wir uns richten, also Objektbegrünung, Obstanbau oder kleine und mittelständische Gartenbaubetriebe, bisher kaum eine Lösung haben, die sie sich wirklich leisten können oder die für sie handhabbar ist. Tatsächlich brauchen wir beide Segmente: zum einen, um die Hardware so günstig wie möglich anbieten zu können, und zum anderen, um genügend Daten zu sammeln, damit unser Pflanzenmodell über alle Pflanzen hinweg so robust wie möglich wird.
OneCrowd: FYTA verbindet Sensorik mit einem selbstlernenden Datenmodell. Wie wichtig ist das Thema Daten mit Blick auf unser Wissen über Pflanzen und Böden?
Claudia Nassif: Daten sind für uns absolut zentral, gerade mit Blick auf den Stress, dem Pflanzen durch den Klimawandel immer stärker ausgesetzt sind. Eine der größten Hürden ist, dass es bisher sehr schwer ist, überhaupt verlässliche Daten über Pflanzen und Böden zu sammeln, weil sich die Messwerte verschiedener Sensoren kaum vergleichen lassen. Sobald zwei Sensoren eine andere Messtechnologie, eine andere Kalibrierung oder auch nur andere Bauteile verwenden, sind ihre Daten nicht mehr miteinander vergleichbar. Genau dieses Problem lösen wir, indem wir die Messungen über unsere eigene, serverseitige Kalibrierung vergleichbar machen. Erst dadurch wird aus vielen Einzelmessungen ein großer, gemeinsam nutzbarer Datenschatz.

OneCrowd: Hinter jeder Technologie steht ein Team, das sie entwickelt und weiterdenkt. Was bringt euer Team mit, um FYTA erfolgreich weiterzuentwickeln und worin seht ihr euren Vorsprung am Markt?
Claudia Nassif: Wir sind ein eingespieltes Team aus Hardwareingenieuren, Softwareentwicklern, Datenwissenschaftler:innen und Biolog:innen. Genau diese Interdisziplinarität braucht es für unsere Kernkompetenzen: IoT-Messtechnik und biologisches Datenmodell.
Dazu kommt, dass wir im Team Pflanzen völlig anders betrachten. Die meisten Lösungen behandeln Pflanzen nach Kategorien und arbeiten mit einfachen, statischen Modellen. Dabei gilt bisher eine harte Grenze: Je genauer und komplexer ein Modell wird, desto weniger Pflanzenarten kann es abbilden. Genau diese Grenze überwinden wir. Unser selbstlernendes Datenmodell betrachtet jede Pflanze einzeln und lernt sie über ihre Messdaten mit der Zeit immer besser kennen, über immer mehr Arten hinweg. Möglich wird das, weil unser Modell selbst aus den Daten einer großen Zahl von Sensoren lernt, die an vielen unterschiedlichen Pflanzen sitzen. Gerade unser Konsumentenmarkt sorgt dafür, dass sehr viele dieser Sensoren im Einsatz sind. So wird das Modell mit jeder Messung genauer und deckt gleichzeitig immer mehr Pflanzen ab. Und mit jedem neuen Sensor lernt es für alle dazu. Das ist unser stärkster Hebel: Unser Vorsprung wächst mit jeder Pflanze, nicht mit jedem Euro Kapital.
OneCrowd: Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für FYTA? Welche Entwicklungen im Bereich Sensorik, Künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit spielen euch aktuell in die Karten?
Claudia Nassif: Mehrere Entwicklungen kommen gerade zusammen. Elektrotechnische Bauteile sind in den letzten Jahren deutlich leistungsfähiger und gleichzeitig erschwinglicher geworden, das erlaubt uns überhaupt erst, wirklich gute Sensoren zu einem Preis anzubieten, den sich alle leisten können. Bei der Künstlichen Intelligenz ist die Technologie inzwischen so weit, dass wir aus großen Mengen biologischer Messdaten verlässliche, individuelle Empfehlungen ableiten können. Und beim Thema Nachhaltigkeit spüren wir den Rückenwind am stärksten: Der Klimawandel setzt Pflanzen und Böden zunehmend unter Stress, Wasser und Ressourcen werden knapper und teurer, und sowohl private als auch professionelle Anwender suchen nach Wegen, bewusster und effizienter mit ihren Pflanzen umzugehen. Genau an dieser Schnittstelle aus bezahlbarer Sensorik, KI und Nachhaltigkeit steht FYTA.
OneCrowd: Mit der Finanzierungsrunde auf OneCrowd startet für FYTA die nächste Wachstumsphase. Welche Ziele verfolgt ihr in den kommenden Jahren und welche Rolle spielt die Crowd dabei?
Claudia Nassif: Mit dem frischen Kapital gehen wir die nächsten Wachstumsschritte. Wir bringen FYTA in den stationären Handel, beginnend mit unserem ersten großen Handelspartner Hornbach, und bauen unser B2B-Geschäft auf. Parallel entwickeln wir den Marktplatz in unserer App weiter, über den wir passend zu jeder Pflanze das richtige Zubehör empfehlen. Mittelfristig wollen wir über die EU hinauswachsen.
Die Crowd spielt dabei eine besondere Rolle. Viele unserer Unterstützer:innen nutzen FYTA schon heute und kennen das Produkt aus eigener Erfahrung. Sie geben uns nicht nur das Kapital, um schneller zu wachsen, sondern werden auch zu den glaubwürdigsten Botschafter:innen für das, was wir aufbauen. Und wir können unseren Erfolg mit den Menschen teilen, die an uns glauben.
OneCrowd: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Was wäre für euch der Moment, in dem ihr sagen würdet: Jetzt hat FYTA wirklich etwas verändert?
Claudia Nassif: Im Alltag erleben wir solche Momente tatsächlich schon. Zum Beispiel, wenn Nutzer:innen uns erzählen, dass sie vor ein paar Jahren noch nicht einmal eine einzige Pflanze hatten und heute ganze Zimmer voller Pflanzen haben. Das berührt uns jedes Mal. Im großen Maßstab wird es der Moment sein, in dem die ersten wissenschaftlichen Studien zu Stresszuständen von Pflanzen und Böden auf Grundlage von FYTA-Daten entstehen. Dann hätten wir wirklich etwas verändert, weil wir Wissen über Pflanzen schaffen, das es vorher so nicht gab.
OneCrowd: Vielen Dank für deine Zeit. Wir freuen uns auf die gemeinsame Crowd-Kampagne.
Disclaimer: Investments in diese Kapitalanlage sind riskant und sollten nur als Teil eines diversifizierten Portfolios erfolgen. Der Erwerb der angebotenen Kapitalanlagen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust der Investitionssumme führen. Ein in Aussicht gestellter Ertrag ist nicht garantiert und kann auch niedriger ausfallen.