Die Fußball-WM 2026: historische Wirtschaftsleistung, Fußballprofis als Investoren, Kapital und Startups

Wie Milliardeninvestitionen, Startup-Beteiligungen und SportTech-Unternehmen den Sport prägen

Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko, Kanada und den USA wird nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich neue Maßstäbe setzen. Die GoalEconomy-Studie, die im Auftrag der FIFA und der Welthandelsorganisation erstellt wurde, spricht von einer historischen Wirtschaftsleistung. Der Analyse zufolge werden rund 13,9 Milliarden US-Dollar direkt im Zusammenhang mit dem Turnier ausgegeben. Daraus soll ein globaler Wirtschaftseffekt von knapp 41 Milliarden US-Dollar entstehen. Hinzu kommen mehr als 824.000 Vollzeitarbeitsplätze und 6,5 Millionen erwartete Stadionbesuche.

Die eigentliche Größenordnung zeigt sich jedoch auf der Erlösseite. Für den WM-Zyklus von 2023 bis 2026 plant die FIFA mit Einnahmen von 12,9 Milliarden US-Dollar. Der Großteil stammt nicht aus Ticketverkäufen, sondern aus Medien- und Vermarktungsrechten. Die WM ist damit längst mehr als ein Fußballturnier. Sie ist eine globale Plattform für Aufmerksamkeit, Marken und Kapital.

Neben den kurzfristigen und gut messbaren Effekten sind die langfristigen Auswirkungen deutlich schwieriger zu bewerten. Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betont, dass kulturelle und sportliche Großereignisse Tourismus, Beschäftigung, Außenwahrnehmung, Handel und Investitionen fördern können. Voraussetzung ist jedoch, dass sie Teil einer langfristigen Standort- und Entwicklungsstrategie sind.

Vom Spielfeld ins Startup-Ökosystem: Fußballprofis als Gründer & Angel-Investoren 

Gerade deutsche Weltmeister und Nationalspieler haben sich in den vergangenen Jahren sichtbar in Startups engagiert oder selbst Unternehmen gegründet. Beispiele reichen von Mario Götze über André Schürrle bis hin zu Mats Hummels, Lukas Podolski, Manuel Neuer oder Julian Draxler.

Mit rund 70 Startup-Beteiligungen und Investments in mehr als 20 Venture-Capital-Fonds zählt Mario Götze zu den aktivsten Profifußballern, die heute auch als Unternehmer und Investoren auftreten. Gleichzeitig bündeln viele Fußballprofis ihre Aktivitäten. Mats Hummels investiert beispielsweise gemeinsam mit anderen prominenten Fußballern wie Manuel Neuer über ein spezielles Investmentvehikel, um Risiken bei Unternehmensbeteiligungen breiter zu streuen.

Mario Götze bei LinkedIn

Dabei treten die Fußballstars längst nicht mehr nur als Testimonials auf. Sie engagieren sich als Business Angels, strategische Gesellschafter, Co-Gründer oder unterstützen junge Unternehmen mit ihrer Reichweite. Auffällig ist, dass viele deutsche Spieler bevorzugt in DACH-Startups oder in Geschäftsmodelle mit direktem Alltagsbezug investieren. Dazu zählen FinTechs, Health-Unternehmen, digitale Services oder Plattformen rund um den Amateurfußball.

Gleichzeitig wird auch deutlich: Prominenz ersetzt keine Due Diligence. Auch Investments von bekannten Sportlern in vermeintlich aussichtsreiche Branchen wie FinTech oder Telekommunikation können scheitern oder unter wirtschaftlichen Druck geraten. So beteiligte sich Mario Götze im Jahr 2022 am Berliner FinTech Ride Capital, das Anlegern den Vermögensaufbau über vermögensverwaltende Gesellschaften erleichtern wollte. Trotz namhafter Investoren musste das Unternehmen zwei Jahre später Insolvenz anmelden. Ein weiteres Beispiel ist die Mobile World 24 GmbH, an der Manuel Neuer beteiligt war. Das Unternehmen war im Handel mit Mobiltelefonen, Mobilfunkverträgen und Multimedia-Produkten tätig. Nach vielen Jahren am Markt wurde im Frühjahr 2023 ebenfalls Insolvenz angemeldet.

Fußballer  Eigene Unternehmen & Bekannte Investments/Beteiligungen  Branchen 
Mario Götze  Companion-M (Mitgründer), Lanch, Flatpay, Xaver  Mental Health, Food & Beverage, FinTech 
André Schürrle  Bling, Lanch, Happy Slice, Dance  FinTech, Food & Beverage, Urban Mobility 
Mats Hummels  PadelCity, Baller League, justtrade (über PTC)  Sport, Entertainment und FinTech 
Manuel Neuer  Health Yeah AG (Gründer), newkee (Mitgründer), Happybrush (strategischer Partner), VoteBase   Health & Wellness, Civic-Tech, Consumer Products 
Julian Draxler  Coachwhisperer, Haarwald (Gründer)  Sport-Tech und Consumer Brands 
Lukas Podolski  Ice Cream United (Gründer & Investor), Mangal x LP10 (Mitgründer & Investor), Glücksgefühle Entertainment GE GmbH (Partner & Mitgründer)  Consumer Brands, Food & Beverage, Gastronomie und Entertainment 

Auffällig ist, dass öffentlich bekannte Startup-Investments bislang vor allem von männlichen Fußballprofis kommuniziert werden. Über Beteiligungen aktiver oder ehemaliger Nationalspielerinnen ist deutlich weniger bekannt. Mit dem Wachstum des Frauenfußballs könnte sich dies in den kommenden Jahren jedoch zunehmend ändern.

Warum Fußballstars investieren? 

Der naheliegendste Grund ist Diversifikation. Die aktive Karriere von Profifußballern ist vergleichsweise kurz. Die Einkommensspitze ist hoch, gleichzeitig, aber zeitlich begrenzt. Forschungsarbeiten, wie die Dissertation von Kathrin Michaela Steinbrink an der Universität Hohenheim, zur Athletenkarriere sowie Berichte aus dem Spielerumfeld zeigen, dass finanzielle Planung und parallel aufgebaute Tätigkeitsfelder den Übergang nach der aktiven Laufbahn deutlich erleichtern können.

Mario Götze passt in dieses Muster. In Interviews beschreibt er ein breit diversifiziertes Vermögen aus Aktien, Immobilien, Gold, Kryptowährungen und Startup-Beteiligungen. Gleichzeitig betont er, dass er vor allem in Menschen und ihre Ideen investiert.

Ein weiterer Faktor ist der Netzwerkhebel. Mario Götze erklärte Anfang 2026, dass er bei jungen Unternehmen oft mit vergleichsweise kleinen Tickets einsteige und gleichzeitig Verbindungen zu Venture-Capital-Investierenden, Kunden und Kundinnen oder Talenten schaffen könne. Beim Unternehmen Coachwhisperer wird derselbe Mechanismus ausdrücklich genannt. Julian Draxler bringt dort nicht nur Kapital ein, sondern auch Spielerexpertise und internationale Erfahrung. Das entspricht dem klassischen Verständnis von Business Angels. Gerade in frühen Unternehmensphasen entsteht der größte Mehrwert häufig durch Kontakte, Know-how und Glaubwürdigkeit.

Wichtig bleibt jedoch die Einordnung. Viele Spielerportfolios sind dynamisch und nur teilweise öffentlich sichtbar. Manche Investments werden aktiv kommuniziert, andere laufen über Holdings, Fondsstrukturen oder Beteiligungsvehikel. Informationen zu Beteiligungshöhen oder Investitionsvolumina werden dabei häufig nicht veröffentlicht.

Deutsche Sport-Startups auf Wachstumskurs 

Doch nicht nur aktuelle und ehemalige Fußballprofis sind auf dem Investmentmarkt aktiv. Parallel dazu entwickelt sich auch die deutsche Sport-Startup-Szene dynamisch weiter. Neue Unternehmen arbeiten an Lösungen für Datenanalyse, Talentförderung, Gesundheitsmanagement oder die Digitalisierung des Vereins- und Breitensports.

Wenn man an Sport-Startups denkt, kommen vielen zunächst Fan-Apps, Sportportale oder Community-Angebote für Fans in den Sinn. Die Innovationskraft im Sport reicht heute jedoch deutlich weiter. Zu den spannendsten Bereichen zählen Dateninfrastruktur, Club-Software, KI-Analysen, Gesundheitsplattformen und hybride Hardware-SaaS-Modelle. Gerade diese Segmente sind aus Investierendensicht interessant, weil sie häufig auf wiederkehrenden Erlösen, hohen Wechselkosten oder einer klaren B2B-Logik basieren.

Unternehmen  gegründet  Sitz   Geschäftsfeld  Warum spannend 
KINEXON  2012  München   Sportdaten & Tracking  Infrastruktur-Anbieter für Vereine, Ligen und Verbände mit wiederkehrenden B2B-Erlösen 
Wingfield  2017  Magdeburg  KI & Clubsport  KI-gestütztes Tennis-Tracking mit Videoanalyse, Leistungsdaten und digitalen Trainings- und Matchfunktionen 
Prematch  2021  Köln  Amateurfußball & Plattformen  Vernetzt die breite Basis des Fußballs und schafft Potenzial für Recruiting-, Sponsoring- und Datenmodelle 

“Ich glaube, dass die Zukunft in standardisierten und transparenten Daten liegt […]. Je zugänglicher und transparenter sie werden, desto mehr Menschen können die Zukunft des Sports aktiv mitgestalten.” 

Neben etablierten SportTech-Unternehmen entstehen auch neue Lösungen. Beispiele sind Huddle Sport aus Chemnitz als Community- und Engagement-Plattform sowie Scoutsland aus Dresden, das datengetriebenes Scouting im Fußball unterstützen möchte.

Scoutsland-Gründerin Egle Neumann l Quelle: LinkedIn

Welche Rolle Startups bei der Weiterentwicklung des Sports spielen können und wie wichtig Daten dabei werden, beschreibt Scoutsland-Gründerin Egle Neumann mit einem besonderen Blick auf das Thema Fußball:

„Im Fußball hängen viele Scouting- und Transferentscheidungen noch immer stark von Netzwerken und bestehenden Kontakten ab. Ich glaube, dass die Zukunft in standardisierten und transparenten Daten liegt, die die Entwicklung eines Spielers über Jahre hinweg nachvollziehbar machen. Mit scoutsland.live wollen wir Talente unabhängig von bestehenden Netzwerken sichtbar machen. Fußball-Daten sollten nicht nur wenigen Entscheidern vorbehalten sein. Je zugänglicher und transparenter sie werden, desto mehr Menschen können die Zukunft des Sports aktiv mitgestalten.“ 

Ein Beispiel, das zeigt, dass innovative Entwicklungen im Sport längst nicht mehr ausschließlich auf dem Spielfeld entstehen. Sie entstehen auch dort, wo Daten, Technologie und neue Plattformen den Zugang verändern. 

Unser Fazit: Die spannendsten Geschichten entstehen oft neben dem Spielfeld 

Wenn im Sommer 2026 Millionen Menschen die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen, werden die meisten auf Tore, Titel und sportliche Überraschungen blicken. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die WM ist längst mehr als ein Sportereignis. Sie ist ein Milliardenmarkt für Medienrechte, Sponsoring, Infrastruktur, Technologie und Unternehmertum.

Gleichzeitig entstehen rund um den Fußball neue Geschäftsmodelle. Profispieler werden zu Gründern und Business Angels. Startups entwickeln datengetriebene Lösungen für Scouting, Training oder Fan-Engagement und SportTech-Unternehmen schaffen die digitale Infrastruktur des Sports von morgen.

Bei aller wirtschaftlichen Dynamik bleibt jedoch auch Raum für kritische Fragen. Die Summen, die in globale Sportgroßereignisse fließen, wachsen seit Jahren. Gleichzeitig bestehen weiterhin deutliche Unterschiede bei der Vermarktung von Frauen- und Männersport oder bei der öffentlichen Aufmerksamkeit für Großereignisse wie die Olympischen und Paralympischen Spiele. Nicht jede Investition führt automatisch zu langfristigem gesellschaftlichem Mehrwert.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die WM auch abseits des sportlichen Geschehens. Denn wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Turnier nicht nur Fußball, sondern auch Innovation, Unternehmertum und die Frage, wie die Zukunft des Sports gestaltet wird.

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