Voll im Trend: Frauen, Finanzen und weibliche Anlagestrategien

Madame Moneypenny, emotion finanzielle, Brigitte Finanzen Spezial uvm. machen es vor: Finanzthemen gehen auch Frauen etwas an. Immer mehr Medien möchten der weiblichen Zielgruppe unterstützend und beratend zur Seite stehen, wenn es ums sinnvolle Investieren geht, da die bislang existierenden Angebote Frauen mitunter nur bedingt weiterhelfen.

Finanzwissen geht uns alle an

„Über Geld spricht man nicht.” – eine der Überzeugungen, die vielen Menschen schon früh beigebracht wurde, wird derzeit aus weiblicher Sicht zu recht zunehmend aufgebrochen. Immer mehr Frauen zeigen sich interessiert an den Themen Geld im Allgemeinen, Altersvorsorge, Anlagestrategien sowie nachhaltiges Investieren. Dabei ist es im Dschungel der unterschiedlichen Finanzprodukte und Strategien gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Untersuchungen bestätigen mittlerweile, dass Frauen, verglichen mit Männern, das (Erfahrungs-) Wissen und damit einhergehend oft das nötige Selbstvertrauen fehlt, um gute Investmententscheidungen zu treffen.

So erreichten in einer 2021 durchgeführten Studie der Finanztip Stiftung zum Finanzwissen in Deutschland, in der mehr als 3.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt wurden, nur knapp 43 Prozent der befragten Frauen mehr als sechs Punkte (von insgesamt 12,5 möglichen Punkten). Der Unterschied beim Finanzwissen zwischen den Geschlechtern wird oft schon in der Kindheit manifestiert, indem Eltern mit ihren Töchtern weniger über Geld sprechen als mit ihren Söhnen. Hinzu kommt, dass Frauen nach wie vor weniger Geld verdienen als Männer – in Deutschland liegt die Entgeltlücke bei 18 Prozent – und somit weniger investieren und Erfahrungen sammeln können. Auch die Politik hat dieses Problem erkannt und versucht, mit verschiedenen Maßnahmen, wie z. B. der Einführung von Quoten, gegenzusteuern – mit mäßigem Erfolg.

Darüber hinaus darf das traditionelle Rollenbild nicht außer Acht gelassen werden. Immerhin überlassen Studien zufolge noch über die Hälfte der befragten Frauen in Deutschland langfristige Finanzentscheidungen ihren männlichen Partnern. Besonders im Alter sind Frauen, die in einer solchen Partnerschaft leben, dann zwangsläufig auf das Einkommen des Partners angewiesen, da sie ggf. durch Teilzeitarbeit oder längere Elternzeiten für die Kinder allein von der staatlichen Rente nicht leben können. Es gilt also, Frauen möglichst zeitig zu ermutigen, sich um ihr Erspartes zu kümmern, es geschickt zu investieren und so zu vermehren.

Häufige Investments verhelfen zu mehr Selbstbewusstsein

Dass dieses Vorgehen von Erfolg gekrönt ist, zeigt eine Umfrage der Fondsgesellschaft JPMorgan Asset Management unter 3.000 Frauen aus zehn europäischen Ländern, darunter 499 Frauen aus Deutschland und Österreich. Die Teilnehmerinnen verfügten über Ersparnisse, Kapitalanlagen oder ein entsprechendes Mindesteinkommen. Schnell wird klar: Frauen, die häufig investieren bzw. auf Basis einer Finanzplanung anlegen, sind selbstbewusster im Umgang mit Finanzthemen. Zwei Drittel aller befragten Teilnehmerinnen gaben an, in Aktien zu investieren. In Deutschland und Österreich ist der Anteil der Anlegerinnen sogar am größten. Dabei spielen vor allem Investments in nachhaltige Unternehmen bzw. solche mit Impact eine entscheidende Rolle. Diese machen das Thema Geldanlage für ein Viertel der – insbesondere jüngeren – Anlegerinnen attraktiver. 79 Prozent der Teilnehmerinnen sparen ihr Geld jedoch immer noch bevorzugt auf einem Spar- oder Girokonto. Damit investiert immer noch weniger als ein Fünftel der Befragten regelmäßig.

Frauen erzielen höhere Renditen

Anlegerinnen in Deutschland sind jedoch weniger risikofreudig als andernorts in Europa. Wenn Frau sich einmal traut zu investieren, ist die Reaktion auf Kursschwankungen oder Verluste sensibler und die Scheu bezüglich des Risikos auf dem Kapitalmarkt größer. Deshalb bevorzugt jede zweite Frau hierzulande Anlagen mit geringen Wertschwankungen. Besonders gewinnorientiert und risikofreudig sind nur 13 Prozent der Befragten aus Deutschland und Österreich, obwohl inzwischen bekannt ist, dass Frauen mit durchschnittlich 24,1 Prozent sogar eine höhere Rendite auf ihre Anlagen erzielen als Männer (durchschnittlich 23,5 Prozent).

Mittlerweile setzen viele Frauen auch aufs Crowdfunding. Mit der Unterstützung sozialer, nachhaltiger oder persönlicher Projekte, für die man sogar noch eine kleine Gegenleistung erhält, können Frauen sich oft besser identifizieren als mit Investitionen in Aktien, Kryptowährungen oder Anleihen.

Es bleibt festzuhalten, dass Frauen besonders die Flexibilität und Verfügbarkeit von Spar- und Tagesgeldkonten schätzen. Wertpapieranlagen werden als komplexer und weniger kontrollierbar wahrgenommen. Eine verständlichere Kommunikation sowie ein besserer Zugang zur Finanzplanung würde vielen Frauen das Anlegen erleichtern.

Die Qual der Wahl – Wege für ein besseres Verständnis

Heutzutage haben Frauen die Qual der Wahl aus vielen unterschiedlichen Finanz-Angeboten, die speziell auf die weibliche Perspektive zugeschnitten sind. Finanzblogs und -webseiten wie Femance, Fortunalista, Courage oder Madame Moneypenny ermutigen dazu, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und beleuchten wichtige Bereiche der Geldanlage – verständlich und ausführlich erklärt. Hinzu kommen mittlerweile Apps wie UpLyvt und Heyfina (demnächst). UpLyvt möchte Anlegerinnen und Interessierten Tipps und Erinnerungen zum Handeln mit auf den Weg geben. Dabei sollen nicht nur genaue Erklärungen im Vordergrund stehen, sondern auch Szenarien abgebildet werden, die zeigen, was im Falle einer Entscheidung für Option A oder B passieren könnte. So hätten Nutzerinnen eine Art digitale Beraterin an ihrer Seite.

Angebote dieser Art können eine persönliche, bedürfnisorientierte Beratung bei einer Bank oder Vermögensverwaltung sicherlich nicht ersetzen. Dennoch sind sie sehr wichtig, um Frauen wertvolles Hintergrundwissen an die Hand zu geben, das sie selbstbewusst in eine Zukunft blicken lässt, in der sie ihre Finanzangelegenheiten aus eigenem Antrieb in die richtigen Bahnen lenken können.

Es bleibt zu hoffen, dass der Trend, den Magazine, Blogs und Apps forcieren, mehr Interessentinnen zum Investment bewegt und die Finanzwelt über die nächsten Jahre stetig zugänglicher und diverser wird.

1 Comment

  1. Doo88
    29. Dezember 2023

    Sehr wichtiges Thema, Finanzen. Und auch über Erbrecht sollte man sich ausführlich beraten lassen. Das geht oft vergessen und manch einer ist froh, wenn im Falle eines Todesfalles es ein Testament gegeben hätte.

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