Tankst du noch oder lädst du schon? Die Mobilitätswende kommt ins Rollen

Ob freiwillig oder nicht, viele mussten in den vergangenen Monaten auf eine weite Reise während ihres Urlaubs verzichten. Das bedeutete aber nicht, dass man die freie Zeit nur im heimischen Garten verbringen musste. Egal ob in der Stadt, auf dem Land oder in den Bergen, zunehmend sah man Radfahrer auf E-Bikes die Gegend erkunden. Diesen Eindruck bestätigen auch die Zahlen, denn 2019 wurden erstmals mehr als eine Million elektrisch betriebene Fahrräder verkauft –  und 2020 sogar fast zwei Millionen. Das dürfte auch die Bundesregierung freuen, denn die Elektromobilität gilt als Schlüssel der Mobilitätswende. Die Mobilitätswende wiederum ist Teil des Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung, mit dem das Ziel verfolgt wird, bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden. In diesem Blogbeitrag klären wir, warum Elektromobilität so eine wichtige Rolle spielt, was nachhaltige Mobilität bisher noch am Durchbruch hindert und welche Innovationen dabei helfen könnten.

Ziele der Mobilitätswende

Mit der Mobilitätswende wird das Ziel verfolgt, den CO2-Ausstoß zu minimieren. Die Rechnung ist ganz einfach: Weniger Autos auf den Straßen, weniger Lärm in den Städten, weniger Schmutz. Damit das klappt soll der Verkehr vermieden, verlagert sowie energieeffizienter gestaltet werden. Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Baustein. Denn gerade für den Personen- und Güterverkehr ist die Stromnutzung in batterieelektrischen Fahrzeugen sowohl die energieeffizienteste Option, als auch die günstigste Variante der Dekarbonisierung. Im Privatbereich hingegen schrecken viele immer noch davor zurück, sich ein reines Elektroauto anzuschaffen. Wenngleich Elektro- und Hybridfahrzeuge als alternative Antriebsarten eine erhebliche Steigerungen aufwiesen, gelten Benzin (65,2 %) und Diesel (31,2 %) nach wie vor als die häufigsten Kraftstoffarten.

Herausforderungen für Elektroantriebe

Hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweite sowie wenig Lademöglichkeiten gelten als die zentralen Hemmnisse bei der Entscheidung zum Kauf eines reinen Elektroautos. Vor allem die hohen Batteriekosten führen zu dem hohen Anschaffungspreis von E-Autos. Um den Preis überhaupt mit konventionellen Autos vergleichbar zu machen, wurde 2016 der Umweltbonus eingeführt – mit Erfolg. Nachdem die E-Autoprämie im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets durch die Bundesregierung erhöht wurde, stieg die Nachfrage auf ein neues Hoch. Aber auch die begrenzte Kapazität der Batterien und die damit verbundene geringe Reichweite lassen viele vor einem E-Autokauf zurückschrecken. Hinzu kommt die mangelnde Anzahl an Lademöglichkeiten. Für Besitzer eines Stromers ist es nicht ausreichend, das Auto zuhause laden zu können. Die Ladeinfrastruktur muss sich der steigenden Anzahl der E-Autos anpassen und bedarfsgerecht sein. Neben politischen Maßnahmen, wie Prämien, Forschungs- und Förderprogrammen, haben auch Startups das Potenzial der Elektromobilität längst erkannt.

Startups ebnen den Weg für nachhaltige Mobilität

Eine Lösung für gleich mehrer Probleme hat die Smart Pole Factory der Innogy SE. Mit ihren Smart Poles – intelligenten Straßenlaternen – spendet das Unternehmen aus Essen nicht nur Licht im Dunkeln. Die Smart Poles dienen gleichzeitig auch als Ladestation für Elektroautos und verbessern zudem das Verkehrsaufkommen, indem sie freie Parkplätze automatisch erfassen. Erweiterungen wie das Dokumentieren von Umweltdaten wie z. B. die Luftqualität oder ein Notknopf, um die Sicherheit zu erhöhen, sind geplant. Das Pilotprojekt überzeugte bereits das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, welche das Unternehmen im vergangenen Jahr zum Gewinner des deutschen Mobilitätspreises kürte.

Ein Gründer, der von dem aktuellen E-Bike-Boom profitiert, ist der Niederländer Taco Carlier. Der Vanmoof-Chef baut futuristische E-Bikes. Im Jahr 2019 gelang es Vanmoof seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr zu vervierfachen – auf 40 Millionen Euro. Doch auch hierzulande gibt es Unternehmen, die sich im wachsenden E-Bike-Markt erfolgreich platzieren. Ein Beispiel ist SMAFO, ein Startup aus Paderborn, das E-Bikes zum Kaufen, Mieten oder Leasen anbietet. Doch SMAFO vertreibt nicht nur die E-Bikes. Mit einer Diebstahlversicherung, einem Wiederbeschaffungsservice und einem Unfall-Assistent bietet das Unternehmen ein Komplettpaket an, damit künftig noch mehr Menschen auf das E-Bike umsteigen. 

Die Akzeptanz der breiten Masse ist bei den E-Bikes bereits gelungen, E-Autos steht dieser wichtige Schritt hingegen noch bevor. Das estnisches Unternehmen Skeleton Technologies will einige Hindernisse für den Kauf eines E-Autos aus dem Weg räumen. Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte Skeleton eine Graphenbatterie, die sich in nur 15 Sekunden aufladen lässt und zudem leichter und kleiner sein soll als herkömmliche Akkus. Zunächst soll die Technik vor allem in Plug-In-Hybriden zum Einsatz kommen und den Treibstoffverbrauch deutlich senken sowie die Leistung und Lebensdauer der Akkus erhöhen. Vor allem die hohen Produktionskosten der Batterie machen die Skeleton-Technologie aber eher zu einer Ergänzung und können die herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus noch nicht gänzlich ersetzen.

Elektromobilität gewinnt weltweit an Bedeutung

Man sieht, der Durchbruch der Elektromobilität muss nicht unbedingt zuerst in Deutschland gelingen. Denn weltweit bringen Unternehmen Innovationen in diesem Bereich hervor. Blickt man über die Grenzen, wird deutlich, dass Elektromobilität in anderen Ländern bereits einen höheren Stellenwert hat als hierzulande. China ist der größte Markt für Elektromobilität. Fast ein Drittel des weltweiten E-Autoabsatzes entfällt derzeit auf die Volksrepublik und mit über 330.000 öffentlichen Ladestationen ist China zudem der Staat mit der besten Infrastruktur für E-Fahrzeuge. Bei der Anzahl der Neuzulassungen ist nach wie vor Norwegen an der Spitze – und das nicht nur in Europa. Fast jede zweite Neuzulassung in Norwegen ist elektrisch. Gründe dafür sind hohe staatliche Subventionen und die gute Ladeinfrastruktur. Aber auch in Deutschland will man den Anschluss an die Mobilität der Zukunft nicht verlieren. Aktuell liefern sich mehrere Autohersteller einen Wettstreit um das innovativste Fertigungsverfahren bei E-Batterien. Dabei geht es vor allem um Leistung, Nachhaltigkeit und Effizienz.

Ursprünglich wollte die Bundesregierung schon heute eine Million elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den deutschen Straßen sehen, um ihrem Ziel der Treibhausgasneutralität näher zu kommen. E-Bikes haben diese Zahl bereits erreicht. E-Autos sind davon allerdings noch weit entfernt: zum 1. Januar 2021 waren 309.083 Elektro-Pkw zugelassen. Ein weiteres Jahr gibt die Regierung der Auto-Branche nun Zeit, um die Million zu erreichen. Bis dahin werden wohl noch einige Startups die Herausforderungen der Elektromobilität in Angriff nehmen, um die Mobilitätswende voranzutreiben.

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