Kunst gilt seit Jahrhunderten als Ausdruck kultureller Identität – doch zunehmend rückt sie auch als Anlageklasse in den Fokus von Investierenden. Hochwertige Werke etablierter Künstler erzielen auf Auktionen regelmäßig Millionenpreise und entwickeln sich für vermögende Sammlerinnen und Sammler zu einem wichtigen Bestandteil der Vermögensdiversifikation. Mit der ersten Co-Platzierung von arttrade erweitert OneCrowd sein Angebot im Bereich Collectibles um hochwertige Kunstwerke und eröffnet Anlegerinnen und Anlegern den Zugang zu dieser besonderen Assetklasse. Im Gespräch begrüßen wir David, Co-Founder von arttrade. Wir sprechen über Marktentwicklungen, professionelle Auswahlprozesse und die Chancen für alle, die zum ersten Mal in Kunst investieren möchten.
OneCrowd: Hallo David und herzlich willkommen! Kunst wird traditionell eher mit Museen und Sammlungen in Verbindung gebracht. Gleichzeitig entdecken immer mehr Investierende Kunst als Anlageklasse. Was macht Kunst aus Investmentperspektive besonders und worin unterscheidet sie sich von klassischen Anlagen wie Aktien oder Immobilien?
David Riemer: Danke, ich freue mich, dabei zu sein! Kunst ist tatsächlich eine der faszinierendsten Anlageklassen und das aus mehreren Gründen. Erstens: Kunst korreliert kaum mit klassischen Anlagen wie Aktien oder Anleihen. Das macht sie zu einem spannenden Diversifikationsinstrument. Zweitens ist Kunst ein physischer, währungsunabhängiger Sachwert – besonders Werke im Blue-Chip-Segment gelten als verlässlicher Wertspeicher. Und drittens zeigen die Zahlen: Die Top-100-Künstler weltweit haben seit 2000 eine durchschnittliche jährliche Wertsteigerung von 7,8 % erzielt, was sich absolut sehen lassen kann.
Natürlich muss man dabei beachten, dass Kunst ganz andere Charakteristika hat als Aktien zum Beispiel. Die tendenzielle Illiquidität ist ein wichtiger Punkt – ein Gemälde lässt sich eben nicht auf Knopfdruck verkaufen. Dazu kommt das Thema Bewertung, insbesondere bei Unikaten. Deswegen sehen wir Kunst klar als Beimischungskomponente im Portfolio – als sinnvolle Ergänzung, nicht als Ersatz für klassische Anlagen. Was Kunst aber wirklich einzigartig macht, ist die emotionale Komponente. Schließlich investiert man in etwas mit kultureller Bedeutung. Das schafft eine ganz andere Bindung.
OneCrowd: Einigen ist arttrade vielleicht noch als Plattform für Kunst-Crowdinvesting bekannt. 2021 seid ihr mit dem Anspruch gestartet, den exklusiven Kunstmarkt durch die Tokenisierung von Kunstwerken zu demokratisieren und Kunstinvestments für mehr Menschen zugänglich zu machen. Wie hat sich arttrade seitdem entwickelt und wofür steht eure Plattform heute?
David Riemer: Das stimmt – und den Anspruch, den Kunstmarkt zugänglicher zu machen, haben wir nach wie vor. ‘Art Investment’ ist weiterhin ein Kernbestandteil von arttrade und wir ermöglichen, mit kleineren Beträgen an der Wertentwicklung bedeutender Arbeiten zu partizipieren. Gleichzeitig haben wir verstanden, dass die Bedürfnisse der Menschen sehr unterschiedlich sind. Während ein Teil einfach einen smarten Baustein für das eigene Portfolio sucht, möchten andere sich an einem physischen Kunstwerk in den eigenen vier Wänden erfreuen. Diese Menschen begleiten wir mit unserer Art Advisory als unabhängige Partner – vom An- und Verkauf bis hin zu Sammlungsmanagement, Versicherung und Verwahrung. Das hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: ein ganzheitlicher Partner für Kunstwerte – mit unabhängiger Expertise, internationalem Netzwerk und Lösungen entlang der drei Säulen Art Advisory, Art Investment und Art Finance. So eröffnen wir Zugang zu bedeutenden Werken, regulierten Investitionen und maßgeschneiderter Finanzierung – alles aus einer Hand.
OneCrowd: Der globale Kunstmarkt ist für Außenstehende oft schwer einzuschätzen. Wie würdet ihr die aktuelle Entwicklung des Marktes beschreiben – und welche Trends prägen ihn derzeit?
David Riemer: Der Kunstmarkt hat 2025 ein echtes Reifejahr erlebt – und das ist eigentlich eine gute Nachricht. Nach den Boomjahren hat sich der Markt spürbar abgekühlt und neu kalibriert. Vereinfacht gesagt: weniger Hype, mehr Selektivität. Käufer sind nach wie vor bereit, für wirklich gute Werke zu zahlen – aber die Toleranz für überzogene Preise ist deutlich gesunken.
Was wir besonders beobachten: Der sogenannte „Flight to Quality“ setzt sich durch. Blue-Chip-Positionen mit starker Provenienz und kunsthistorischer Relevanz halten ihren Wert – oder erzielen sogar neue Rekorde. Gleichzeitig gerät das Ultra-Contemporary-Segment unter Druck, und auch im Galeriesektor findet eine Konsolidierung statt.
OneCrowd: Nicht jedes Kunstwerk eignet sich automatisch als Investment. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Werke aus, die über eure Plattform oder andere Plattformen investierbar werden?
David Riemer: Wir haben dafür einen dezidierten Selektionsprozess, bei dem nur ein Bruchteil der analysierten Werke am Ende wirklich den Weg auf die Plattform schafft.
Der erste Filter ist der Künstler selbst: Wir fokussieren uns auf Blue-Chip-Künstler – also die Top 100 der gefragtesten Künstlerinnen und Künstler weltweit. Wir fokussieren uns bewusst auf das internationale Blue‑Chip-Segment, da hier Nachfrage, Liquidität und langfristige Wertstabilität am höchsten sind.
Innerhalb dieses Segments setzen wir auf Unikate, also echte Einzelstücke. Sie bilden den Kern im Oeuvre eines Künstlers und sind kulturell relevant. Und auch innerhalb der Unikate schauen wir genau hin: Das Werk muss eine Besonderheit im Oeuvre darstellen, die Handschrift des Künstlers klar erkennbar machen.
Ein weiterer absolut nicht verhandelbarer Punkt ist die Provenienz – also die lückenlose Besitz- und Eigentumsgeschichte des Werks von seiner Entstehung bis heute. Fehlt die, ist das Werk für uns raus, egal wie attraktiv es sonst erscheint.
Dann kommt die Bewertung: Wir analysieren Auktionspreise, Galeriepreise, Ausstellungshistorie, Medienpräsenz, Kunstkritiken und vieles mehr, zusätzlich holen wir uns unabhängige Expertenmeinungen ein. Und am Ende muss der Einkaufspreis stimmen. Durch unsere Beziehungen zu international führenden Galerien und Kunsthändlern können wir Werke oft zu sehr attraktiven Konditionen erwerben – ein echter Vorteil für unsere Klienten
OneCrowd: Aktuell bieten wir das Werk „Diagonale Struktur V” von Günther Uecker an. Was macht diesen Künstler und dieses Werk aus eurer Sicht zu einem besonders spannenden Investment?
David Riemer: Günther Uecker ist eine der zentralen Figuren der deutschen Nachkriegsavantgarde. Seine Werke sind in den bedeutendsten Museen und Sammlungen der Welt vertreten, die Nachfrage ist hoch und der Markt für seine Arbeiten ist entsprechend liquide. Die „Diagonale Struktur V“ trägt die unverkennbare Handschrift Ueckers. Die charakteristischen Nagelstrukturen, das Spiel mit Licht und Schatten, die meditative Wirkung – all das macht dieses Werk zu einem typischen Hauptwerk seines Schaffens. Und genau das ist uns wichtig: Wir sourcen keine Randwerke, sondern Arbeiten, die im Oeuvre eines Künstlers wirklich zählen.
OneCrowd: Viele Menschen interessieren sich für Kunst, fühlen sich aber unsicher, wenn es um Bewertung, Echtheit oder Marktpreise geht. Wie stellt ihr sicher, dass Anlegende den Wert und die Echtheit der Werke auch ohne Kunststudium nachvollziehen können?
David Riemer: Transparenz ist für uns zentral. Unser Selektionsprozess ist nicht nur intern streng, sondern wird für Anlegende nachvollziehbar aufbereitet. Zu jedem Werk stellen wir alle relevanten Informationen bereit – von der Provenienz über Marktpreise und Ausstellungshistorien bis hin zu unabhängigen Expertisen. So können Investierende Schritt für Schritt nachvollziehen, warum ein bestimmtes Werk ausgewählt wurde.
Darüber hinaus bereiten wir komplexe Themen wie Preisentwicklung, Marktumfeld oder kunsthistorische Bedeutung verständlich und orientierend auf. Unser Anspruch ist es, den Kunstmarkt nicht nur zugänglich zu machen, sondern auch verständlich – unabhängig davon, ob jemand tief im Thema steckt oder sich zum ersten Mal mit Kunstinvestments beschäftigt.
OneCrowd: Abschließend interessiert uns: Welche Tipps würdest du Menschen geben, die zum ersten Mal in Kunst investieren möchten?
David Riemer: Der wichtigste Tipp: auf Qualität setzen – dort ist das Risiko eines Wertverlusts am geringsten. Junge Künstler können perspektivisch zwar höhere Renditen erzielen, aber das ist meist schwer kalkulierbar. Im Zweifel sollte man sich unabhängige Expertise an die Seite holen. Der Kunstmarkt ist komplex – es braucht das richtige Netzwerk und fundiertes Know-how, um smarte Investitionsentscheidungen verlässlich treffen zu können.
OneCrowd: Vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke in die Welt der Kunst und Kunstinvestments. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit euch und darauf, unseren Anlegerinnen und Anlegern gemeinsam einen neuen Zugang zu dieser besonderen Assetklasse zu eröffnen.
Disclaimer: Investments in diese Kapitalanlage sind riskant und sollten nur als Teil eines diversifizierten Portfolios erfolgen. Der Erwerb der angebotenen Kapitalanlagen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust der Investitionssumme führen. Ein in Aussicht gestellter Ertrag ist nicht garantiert und kann auch niedriger ausfallen.